Akim rennt

Nur der Name des Flusses, an dem zu Beginn Akim mit seinen Freunden friedlich spielt, verortet dieses Buch. Die Kuma fließt im Nordkaukasus, nicht weit von Tschtschenien, aber: auch andere Flüsse in anderen Ländern heißen Kuma, so dass letztlich offen bleibt, wo genau Akims Dorf liegt, wo genau die Bomben fallen, die das Dorf plötzlich treffen. In großem Schrecken fliehen die Dorfbewohner und weil Akim in der Hektik seine Eltern und seine Verwandten nicht findet, ist er auf einmal ganz allein. Irgendwie wird er von der Menge mitgerissen, an zerstörten Häusern vorbei gezerrt, er sieht tote und verwundete Menschen. Akim muss rennen um Schritt zu halten und doch verliert er die Hand, die ihn festgehalten hatte. Er findet neue fremde Erwachsene, die ihm helfen, verliert sie wieder, muss vor Soldaten fliehen und landet endlich in einem Flüchtlingslager - fürs erste in Sicherheit.

Zurückhaltend und sachlich im Text und mit zarten, flüchtigen, aber emotionalen Kohle-Zeichnungen, die nur ganz leicht koloriert sind, erzählt die Autorin Akims Fluchtgeschichte. Dabei folgen immer mehrere textlose Tableaus einer nicht bebilderten Textpassage. Diese Erzählweise gliedert das Geschehen und schafft durch das Lesen die nötigen Atempausen für das Betrachten der Bilder. Auch das kleinere Format des Buches bewirkt, dass die Bilder niemals erschlagend wirken, obwohl sie Einsamkeit, Entsetzen, Angst und Trauer zeigen. Die Autorin macht ein glückliches Ende möglich: Im Lager wird Akims Mutter wieder gefunden.

Claude K. Dubois
Akim rennt
Übersetzung
Tobias Scheffel
Moritz Verlag 2013 € 12,95
ab 6 Jahren / für die Grundschule