Blumkas Tagebuch. Vom Leben in Janusz Korczaks Waisenhaus

Kann man Kindern vom Holocaust erzählen, und, wenn ja (und davon geht dieses Buch aus), wie kann man es tun?

Die polnische Autorin und Illustratorin Iwona Chmielewska hat mit „Blumkas Tagebuch“ einen eigenen Zugang gefunden. Am Anfang steht ein Bild – ein gezeichnetes „Foto“ einer Kindergruppe, hinter ihnen der „Herr Doktor“ Janusz Korczak, der Leiter des Waisenhauses, in dem diese Kinder leben. Blumka ist vielleicht eins der Kinder auf dem Bild, sie erzählt auf den folgenden Seiten zu jedem eine kleine Geschichte, die das jeweilige Kind in Wort und Bild fein charakterisiert. Und sie erzählt vom „Herrn Doktor“: Sie bewundert und liebt ihn dafür, dass er ihr aller Recht auf  Eigenart und Unversehrtheit so ernst nimmt, wie seine eigenen Pflichten im täglichen Zusammenleben.

Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen musste Korczaks Waisenhaus 1940 ins Ghetto umziehen, 1942 wurden alle Kinder und Korczak selbst ins Konzentrationslager deportiert und ermordet. Dieses Ende bleibt im Bilderbuch unausgesprochen, einzig ein gezeichneter Eisenbahnwaggon deutet den Weg nach Treblinka an. Das Bild gehört nicht mehr zu Blumkas blauen, wie mit Kugelschreiber gemachten Tagebuch-Zeichnungen, sondern ist Kommentar der Autorin/Illustratorin und ein Gesprächsangebot für erwachsene MitleserInnen, wenn sie mit Kindern dieses ernsthafte und dabei so humorvolle Bilderbuch anschauen.

Iwona Chmielewska
Blumkas Tagebuch. Vom Leben in Janusz Korczaks Waisenhaus
Übersetzung
Adam Jaromir
Gimpel Verlag 2011 € 29,90
für die Grundschule