Ein Mann, der weint

Mitten im geschäftigen Treiben der Einkaufstraße steht ein Mann, der weint. Niemand beachtet ihn, nur ein Junge vergisst Mutter und Schwester und Einkaufswagen und schaut den Mann fasziniert an. Sein Papa hat gesagt, dass Männer nicht weinen, aber dieser tut es doch! Schließlich gelingt es dem Kind zu fragen: Warum weinst du? Ich bin traurig, antwortet der Mann, der gar nicht recht registriert, wer da was von ihm will. Zuhause sitzt der Papa hinter einer großen Zeitung, aber der Junge erzählt von dem Erstaunlichen, das er gerade erlebt hat, er ist noch ganz erfüllt davon. Das merkt der Papa und nimmt ihn fest in den Arm.

Mit großer Leichtigkeit hat Wiebke Oeser die Zeichnungen hingeworfen und auch nicht vergessen, auf den Bildern etwas passieren zu lassen. Aufmerksame Betrachter entdecken den Briefumschlag in der Hosentasche des traurigen Mannes, das Mädchen mit dem Hund taucht immer wieder auf und der Hund hat den Jungen die ganze Zeit im Auge, während die Mutter unentwegt das Kleiderkarussell dreht.

Das Buch ist eine tolle Momentaufnahme aus dem Alltag eines aufgeweckten Kindes, mit einem Papa, der im entscheidenden Augenblick das Richtige tut.

Matthias Jeschke
Wiebke Oeser (Illustration)
Ein Mann, der weint
Hinsdorff 2011 € 14,95
ab 5 Jahren