Wilhelms Reise - eine Auswanderergeschichte

„Wilhelms Reise“ erzählt von einem großen Abenteuer, das allerdings nicht in der Freizeit, im Urlaub, zum Vergnügen unternommen wird, sondern aus Not, als Ausweg aus bitterer Armut, als Lebensentscheidung. Ausgehend von „Wilhelms“ Skizzenbuch, das mit vielen detailreichen Zeichnungen eine Schiffsreise mit dem großen Segler Kolumbia von Bremerhaven nach New York dokumentiert, bereitet die Autorin eine Fülle von Informationen über die Bedingungen und die Umstände einer Auswanderung nach Amerika aus. Die Kopplung an die Situation eines Einzelnen ermöglicht uns emotionale Nähe zu diesen Ereignissen aus dem 19. Jahrhundert, die ja für unsere Kinder weit weg sind – oder vielleicht auch nicht? Auch heute „reisen“ Kinder unter schwierigen Bedingungen, wenn sie z. B. aus Kriegsgebieten flüchten müssen.

Anke Bär zeichnet naturalistische und trotzdem poetische Bilder, meist schwarz-weiß mit Bleistift, manchmal koloriert. Aus ihnen ist abzulesen, was die Menschen tun, wenn sie sich auf dem engen Segelschiff einrichten müssen, was sie dabei haben, was sie essen, was die Kinder spielen.

Die Texte sind sachlich und angenehm zurückhaltend, so dass die Betrachtung der Bilder im Vordergrund stehen kann. Die Texte sorgen für die, die mehr wissen wollen und für die Erwachsenen, die befragt werden.

„Wilhelms Reise“ ist ein gelungenes Geschichtsbuch fürs Grundschulalter.

Anke Bär
Wilhelms Reise - eine Auswanderergeschichte
Gerstenberg 2012 € 14,95
für die Grundschule